Ein Kollege hat in Südhessen ein Stück gefunden.
Ist von allen Seiten zur Gewinnung von Farbstoff abgerieben worden. Sieht also aus wie eine abgeriebene Muskatnuss, etwas größer halt
Und ich würde gerne wissen wie weit das gute Stück ggf. transportiert worden ist.
Der Geologe meines Vertrauens kennt in der Nähe keine Vorkommen.
Aber wo ich bei dir gerade Spessart lese.
Da habe ich noch einen (in dem Falle Hobby) Geologen.
Aber vielleicht kennst du ja auch Fundstellen.
Dein Fund klingt extrem spannend – und die Form einer „abgeriebenen Muskatnuss“ ist der absolute Klassiker für ein historisches „Farbstoff-Reibstück“ (für Ölfarben, Rötelstifte oder prähistorische Körperbemalung).
Da Hämatit (Roteisenstein) eine rote Strichfarbe hat, wurden diese Stücke über Generationen hinweg wie Kreide auf rauen Steinen abgerieben. Da dein Vertrauensgeologe in der unmittelbaren Fundregion Südhessen nichts auf dem Schirm hat, helfe ich dir als Hunsrücker gerne mal auf die Sprünge. Wenn wir über Südhessen, den Spessart und den Odenwald reden, gibt es historisch gesehen ein paar ganz heiße Verdächtige für den Ursprung dieses Stücks.
Hier ist eine Übersicht der potenziellen historischen Abbaustellen und Vorkommen in Schlagdistanz zu Südhessen:
1. Südhessen / Der Odenwald (Direkt vor der Haustür)Auch wenn dein Geologe zuckt:
Es gab im Odenwald sehr wohl nennenswerten Roteisen-Bergbau, oft gebunden an alte Barytgänge (Schwerspat).
Hering (Otzberg):
Westlich von Hering wurde schon seit dem Mittelalter Bergbau auf Eisenerze betrieben. Das Haupterz war hier Hämatit als derbes Roteisen und Eisenglanz. Die Gruben sind seit 1958 dicht, aber im Wald sieht man noch alte Pingen und flache Halden.
Reichelsheim (Grube „Guter Glückstern“ u.a.):
Im dortigen Revier wurde historisch stark auf Eisen und Mangan geschürft. Derber Hämatit war hier ständiger Begleiter.
Wald-Michelbach:
Bekanntes altes Mn-Fe-Erz Revier. Hier trat derber Hämatit schichtgebunden in Linsen auf.
2. Der Spessart (Hessisch-Bayrisches Grenzgebiet)Wenn du im Nachbarforum schon über den Spessart liest – Volltreffer. Der Spessart ist geologisch mit dem Odenwald verwandt (Mitteldeutsche Kristallinschwelle) und liefert fantastische Eisen-Mangan-Gänge.
Biebergemünd (Bieberer Revier):
Das absolute Epizentrum des historischen Bergbaus im Spessart. Hier wurde jahrhundertelang Eisen (auch Hämatit) und Kupfer abgebaut.
Aschaffenburg / Goldbach / Haibach (Vorspessart):
In den hydrothermalen Gängen des Kristallins (Gneise/Glimmerschiefer) kommt Hämatit regelmäßig vor. Oft als derbe, schwere Brocken, die sich perfekt zum Farbreiben eignen.
3. Der Blick über den Rhein:
Meine Heimat (Der Hunsrück) Da ich selbst aus dem Hunsrück komme, muss ich das erwähnen, denn der Transportweg über den Rhein nach Südhessen war über die Flusstäler historisch denkbar einfach (egal ob Römerzeit, Mittelalter oder Neuzeit)
Waldalgesheim & Stromberg:
Das südhunsrücker Eisenrevier ist weltbekannt für seinen hochwertigen, tiefroten Hämatit (Roteisenstein). Das Zeug ist extrem farbintensiv und wurde schon in der Kelten- und Römerzeit genau für solche Zwecke genutzt und gehandelt.
Fazit zum Transportweg:
Wenn das Stück in Südhessen im Feld oder Wald lag, muss es kein Fernimport sein. Ein Ursprung vom Otzberg (Hering) oder aus dem Spessart ist geologisch am wahrscheinlichsten. Sollte das Stück jedoch archäologisch uralt sein (z.B. Bandkeramik oder Keltenzeit), liefen die alten Handelsrouten für Pigmente auch gerne mal aus dem Hunsrück oder dem Lahn-Dill-Gebiet rüber nach Südhessen.
Ich hoffe das hilft dir weiter .