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Was mich berührt

Ötzi

FALKENMEISTER
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Also ich sehe immer im TV über die Überflutungen die bei euch stattfinden. Da wird mir immer mulmig wenn ich denke was da die Menschen mitmachen. Ich wohne in knapp 1000 m Seehöhe da gibt es kein Überflutungen. Bei uns regnet es schon fast den ganzen Mai,so wie heute ist der Himmel offen. Wohnt jemand von euch in einem Überschwennungs Gebiet?
Und kann darüber berichten.
 
Das Ahrtal ist jetzt nicht das klassische Überschwemmungs-Gebeit. Es kamen 2021 nur verschiedene Faktoren ungünstig zusammen, die auch keine klasssiche Überschwemmung, sondern Flutwellen hervorgebracht haben. Wir konnten uns nicht vorbereiten, wir waren vollkommen unvorbereitet. Ich will jetzt hier auch keine Schelte in Richtung Behörden, Verwaltung etc. lostreten, sondern eher auf die späteren Auswirkungen eingehen. Du sitzt also vor dem Fernseher, denkst an nichts böses und zwanzig Minuten später findest Du Dich im Mittelalter wieder. Du hast keinen Strom, kein Wasser, keine Nahrungsmittel und keinen Handy-Empfang und wenn Du Deine Wohnung im Erdgeschoss hattest, dann sind die Klamotten, die Du anhast alles Dein aktueller ganzer Besitz. Du weisst auch, das Dein Auto auf dem Parkplatz entweder weggespült oder verkeilt irgendwo herum liegt und nur noch Schrottwert hat. Du hattest gerade noch Zeit deine Mutter aus dem schwimmenden Pflegebett zu ziehen und sie die Treppe hochzutragen.
So verbringst Du die kommende Nacht und siehst, während Du aus dem Fenster siehst, vorbeischwimmende Autos, Waschmaschinen, Baumstämme und Gastanks. Das alles in völliger Dunkelheit und wenn Du die Szenerie nicht ausleuchtest, hast Du nur das Rauschen des Wassers in den Ohren. Irgendwo in der Ferne ruft jemand um Hilfe aber niemand kann ihm helfen. Derjenige wird dann zwei Tage später hinter einem Container tot aufgefunden.

Die Tage danach sind eigentlich die schlimmsten. Am liebsten würdest Du einfach weglaufen oder Dich verkriechen. Das geht aber nicht. Alles aus dem Erdgeschoss muss raus auf die Straße. Und alles was Du anfasst ist schmutzig, riecht moderig und ist vom Gewicht her doppelt so schwer wie vorher. Damit bist Du den ganzen Tag beschäftigt, so dass am Abend nur noch die Mauern stehen. Alles andere ist weg, nebst den Fotoalben aus früheren Zeiten. Die Erinnerungen existieren nur noch in Deinem Kopf.
Am nächsten Tag geht es weiter. Der Schlamm muss raus, bevor er fest wird. Also Eimerkette und los gehts. Am schlimmsten war der kleine Gewölbekeller. Mittlerweile war die private Hilfe angelaufen und ich hatte viele Helfer/innen z.B. aus Königswinter, Frankfurt/M und auch aus den neuen Bundesländern. Sie helfen Dir nicht nur, alleine schon die Anwesenheit gibt Dir selbst auch immer wieder Kraft. Es gab dann auch Stände für die Verpflegung und ich nahm auch das provosorische Angebot einer Tetanus-Impfung zwischen einem Imbiss-Wagen und der Freidhofsmauer wahr. Zwischendurch musste man sich auch noch um eine Bleibe kümmern und jemanden organisieren, der zusammen mit Dir die Spendencentren abklappert bezüglich Schuhe, Kleidung etc.
Spätestens am dritten Tag nimmst Du einen leicht schimmeligen Geruch wahr und entdeckst z.B. hinter Holzverkleidungen den Schimmel. Also alles was aus Holz ist, muss auch umgehend raus. Türrahmen, Türen, Verkleidungen und Parkett. Das machst Du, während fleißige Helfer den Putz bis zu einer Höhe von 1,90m von den Wänden stemmen. Dann bist Du irgendwann erst einmal durch und übrig geblieben sind nackte Mauern, der Fußboden ist auch weg und alles muss jetzt erst einmal trocknen. Wenn Du Glück hast, sind Deine Wände nicht mit Heizöl kontaminiert, das würde das Aus bedeuten, sowas kannst Du dann nur noch abreißen.

Irgendwann kommst Du dann erst einmal zur Ruhe und gönnst Dir eine kurze Auszeit. Dinge, die früher selbstverständlich waren wie z.B. mal gerade eben zum Baumarkt fahren, werden zur losgistischen Herausforderung. Überall um Dich herum ist die Infrastruktur im Eimer und da bist Du wieder gefordert. Mein Auto wurde mittlerweile von einem Abschleppdienst abgeholt und Du bekommst eine Benachrichtigung für die Versicherung. Nach zwei Wochen gelange ich endlich in den Nachbarort, wo ich meinen 54er Cadillac einlagere. Vorher war kein Durchkommen. Ein Bild des Jammers. Innen ist alles extremst verschimmelt. Ich müsste den Cadillac komplett strippen, neue Kabelbäume verlagen und die komplette Inneneinrichtung erneuern. Der Sachverständige schätzt den Schaden auf ca. 40.000,- also wirtschaftlicher Totalschaden. Du hast keine Energie Dich darüber aufzuregen, sondern registrierst das einfach. Vielleicht auch wegen der Erkenntnis, dass es nur eine Sache ist und das man Dir vor Augen geführt hat, das das Leben auch ganz schnell vorbei sein kann.

Monate und Jahre später kämpfen nicht wenige immer noch mit ihrer Versicherung und die "unbürokratische" Hilfe vom Staat entpuppt sich als wahres Bürokratie-Monster. Nach gut drei Monaten nach der Antragsstellung auf Hilfe bekommst Du dann Post. Das ist aber dann z.B. nicht die Bewilligung auf Hilfe, sondern ein Hinweis, dass die beigefügte Betroffenheits-Bescheinigung nun auf einmal nicht mehr gültig ist und man doch bitte eine neue einreichen soll. Und so geht das immer weiter. Wer mit dem Lesen bis jetzt durchgehalten hat: Mein Kompliment.

Die aktuelle Wetterlage im Süden Deutschlands bereitet auch mir Sorgen und obwohl es mich nicht selbst betrifft, werde ich nervös und hoffe, dass alles einigermaßen glimpflich verläuft. Es ist nicht nur Wasser. Es ist der Verlust von Existenzen und Menschenleben. Ich kann die Gefühle der aktuell Betroffenen gut nachvollziehen. Anfänglich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, herunter zu fahren, um vielleicht helfen zu können. Aber erstens schaffe ich das körperlich nicht mehr so leicht, vom mentalen will ich gar nicht erst anfangen. Ich danke allen im Forum, die mir damals mental und finanziell geholfen haben. Das baut auf und macht Mut weiter zu machen.
 
Ist schon eine traurige Geschichte. Aber was kannst machen außer Hoffen das alles wieder gut wird.
 
Seit der Jahrhundertflut 1999 muss man in Bayern weniger Angst haben. Die Dämme wurden neu gebaut oder verstärkt. Gewisse Städte sind jedes Jahr fast mit Überschwemmung betroffen seid Jahrzehnten. Sollte ein größeres Gebiet mit vielen Einwohnern mal betroffen sein, wird ein Dammbruch in einem weniger bevölkerten Gebiet gemacht, um die Lage zu entspannen.

Mehr Angst muss man in Gebieten wie z.B. im Ahrtal haben. Bäche und kleine Flüsse, die stärker bergab fliesen, können in minutenschnelle zu Monstern werden. Wasser, Schlamm und Steine kommen ins Rollen. Wer als Gemeinde oder Landkreis seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, hat verloren.

Monokulturen verursachen zusätzlich massive Schlammlawinen. Hopfen- und Maisanbau sind am schlimmsten
 
Wir sind auch nicht das Klassische Überschwemmungsgebiet in Hessen, obwohl die Flüsse Main und Kinzig bei uns fließen @Ötzi aber durch Starkregenphänomene wie in den letzten 12 Monaten hat es rundherum um uns viele Gemeinden erwischt und kleine Bäche werden zu reißenden Strömen mit vielen einhergehenden Schäden:(
 
Bei uns im Pinzgau in Österreich ist es auch immer sehr gefährlich um diese Zeit und jedes Jahr wird es gefühlt mehr mit den Hochwassern.
Hatt mich selbst schon einige male betroffen... Bei uns sind eher die kleinen und größeren Wildbache dass gefährliche die von den Bergen kommen und es schnell zu Verklausungen führen kann... Danach kommt alles auf einmal den Berg herunter..
Bauen ja eh wie die Wilden neue Sperren aber ob dass die Lösung ist... Naja.
 
ja man hört in den nachrichten schlimmes.
das von günni habe ich damals mitbekommen.
bei uns hier ist es nicht so schlimm, ich selber wohne auch etwas auf einer anhöhe, aber trotzdem kann man bei deisem wetter nicht sicher sein.

wenn ich denke das vor 2 jahren auch ein paar km von mir weg viele häuser durch desn regen dem erdboden gleichgemacht wurden, dann muss man mal nachfragen was mit der angekündigten hilfe von der politik damals war.
ich wollte helfen, aber da ich nicht bei der feuerwehr oder rettung etc. bin, war es mir untersagt zu helfen.
ich hätte mich selber versichern müssen, für was gibts dann katastrophenfonds?

all die betroffen sind drücke ich die daumen das es nicht so schlimm wird
 
ich wollte helfen, aber da ich nicht bei der feuerwehr oder rettung etc. bin, war es mir untersagt zu helfen.
Bei Naturkatastrophen, die eine bestimmte, hohe geografische Ausdehnung haben (wie z.B. die Ahrtalflut), kann niemand mehr unterscheiden, ob man Betroffener oder Helfer ist. Das geht in dem allgemeinen Wusel einfach unter. Die Helfer/innen haben die Zuständigkeiten der Feuerwehr oder des THW´s auch nicht berührt. die sind sofort in die Häuser der Betroffenen gegangen. Die ganzen Bauern, die schon früh vor Ort waren, haben den meisten Müll beseitigt, was eigentlich die Aufgabe der Abfallwirtschafts-Betriebe gewesen ist. Man war letztendlich aber froh das sie da waren und die Bauern haben dann auch mit den zuständigen Stellen zusammen gearbeitet.
 
Wir hatten jetzt an Pfingsten an unserer, wie die Römer vor 2000 Jahren schon zu sagen pflegten, ach so lieblichen Mosella, ein Hochwasser, dass viel Schäden hinterlassen hat.
Hochwasser sind für mich und viele Moselanrainer, die wir schon unser ganzes, bisheriges leben hier verbracht haben, zu einer Art "Normalität" geworden.
Hochwasser kamen bisher meist im Spätherbst, nach langen Regenperioden, oder im Frühjahr, wenn, bedingt durch Schneeschmelze in Frankreich bzw. weiter westlich, der Pegel der Mosel LANGSAM anstieg.
Dies war kalkulierbar und jeder hatte bis dato gelernt damit umzugehen bzw. hat Vorkehrungen getroffen, sich individuell zu schützen.

Inzwischen steigen die Pegel, auch die der Moselzuflüsse, bedingt durch die zunehmenden Starkregenereignisse dermaßen schnell, oft binnen 24 Stunden an, so dass oftmals nicht schnell genug reagiert werden kann.

Die letzte, für mich/ meine Familie und alle Moselanrainer wirklich existenzbedrohende, Hochwasserkatastrophe fand 1993 (siehe Fotos) statt, als die "liebliche" Mosella einen, bis dahin nicht gekannten Höchststand erreichte.
Häuser wurden zum Teil bis ins erste Obergeschoß überflutet und Existenzen vernichtet.
Auch ich bin damals mit meiner kompletten Firma einschließlich Ausstattung, Maschinen, Geräte, Heizung etc. abgesoffen.
Vollmundig haben damals die "Schlipsträger" aus Politik und Wirtschaft "schnelle und unbürokratische Hilfe" zugesagt; Es kamen offizielle Kommissionen in die Anrainerorte zu den Geschädigten, die die Schäden aufnahmen und
man war tatsächlich geneigt zu glauben, dass finanziell geholfen wird... Am Ende des Tages bekam man dann Post von der jeweiligen Hausbank, die "zinsgünstige Kredite zu Wiederaufbau" anbot... Geschenkt ist nur der Tod...
Damals habe ich verstanden, dass man sich auf fremde Hilfe, schon gar nicht, wenn sie von der Politik versprochen wird, verlassen kann!

Nach dem Motto "Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott" habe ich den finanziellen Schaden damals durch Reserven kompensiert und nachdem mein Betrieb wieder arbeitsfähig war, um das komplette Grundstück eine
Stahlbeton-Hochwasserschutzwand gebaut, mit der ich es heute schaffe, dass Hochwasser außen vor zu halten, indem ich Durchfahrten mit provisorischen Spundwänden verschließe und das, von außen angreifende Wasser,
auch das, was durch die Kanalisation zurück staut, durch den Einsatz von drei Hochleistungspumpen, fernzuhalten.
So wie ich machen es tausende Flussanrainer auch; Man hat gelernt sich auf die Katastrophen einzustellen, individuelle technische Schutzvorkehrungen getroffen und man ist alarmiert und vorbereitet wenn es zu starken Regenfällen kommt. Viele sind gegangen, weggezogen in höhere Regionen. Die Meisten jedoch sind geblieben, weil es Heimat ist und Heimat verlässt man nicht so einfach...
Ich kann das Leid der Menschen nachempfinden, die von Hochwasserkatastrophen betroffen und erschüttert werden. Ich habe Menschen um ihr Hab und Gut weinen sehen, hab gesehen wie binnen Stunden Existenzen vernichtet werden. Ich wünsche jedem der Betroffenen ganz, ganz viel Kraft und vor allem Hoffnung, denn es geht irgendwie weiter. Verlasst Euch auf Euch, Eure Fähigkeiten, Eure Ideen und sorgt vor allem früh genug vor!
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Seit der Jahrhundertflut 1999 muss man in Bayern weniger Angst haben. Die Dämme wurden neu gebaut oder verstärkt.

Hallo,

also ich kenne in Nordbayern einen Staudamm, den ich nicht über den Weg traue.

Er befindet sich im Grenzgebiet Nordbayern, Tschechien , Sachsen /Vogtland . Im Vogtland hat man ständig Schwarmbeben,
in CZ, z.B. Marienbad, gibt es durch den Egergraben heiße Quellen vulkanischen Ursprungs, und bei Tirschenreuth wurde extra eine Meßstelle wegen der vulkanischen Aktivität im gesamten Egergraben, riesiges Gebiet, erschaffen.
Über jenen Staudamm geht eine Straße. Ich glaube sie ist auf 50 oder 60 beschränkt , aber fast alle fahren mit flotten 100 drüber.
Sogar Lkws, welche vom Gewicht her nie zugelassen wären.

Irgendwann bin ich auch Mal wieder über den Damm gefahren, da waren gerade Techniker aus München mit Überprüfungsarbeiten am Werk...

Ich konnte nicht wiederstehen und hab angehalten und mich mit den Fachleuten unterhalten... weil es mich immer noch wundert , wie es kam, dass es erlaubt wurde , in einem Erdbebenrisikogebiet, ca 25 km nach Sachsen, ca 25 km nach CZ, so nahe am Egergraben so einen Riesendamm für solche Wassermassen zu bauen, genau oberhalb von einem Dorf und einer Kleinstadt...

Ich habe mich bei den Fachleuten jedenfalls laut gewundert und sie haben gestaunt, denn sie wußten irgendwie nix davon.

Und dann hab ich mich noch weiter laut gewundert, über die Geschwindigkeit mit der viel zu schwere Fahrzeuge über den Damm fahren und über den Wald, der seit einigen jahren direkt in der Staumauer wuchs. Noch nicht sehr hoch, aber locker 6 m ...

Der Wald war jedenfalls wenige Tage nach dem Gespräch verschwunden... Aber die Wurzeln sind ja noch drinnen.

Ich sage inzwischen nix mehr, wundere mich nur noch leise.

Schönen Gruß,

Miraculix
 
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